Konzept

Organisationsstruktur

Träger

Verein für Kinderpädagogik e.V., Kinderladen in Nürnberg
Der Verein für Kinderpädagogik e.V. wurde 1970 in Nürnberg gegründet um einen Kinderladen zu betreiben und richtet sich nach den Richtlinien des BayKiBiG. Der Kinderladen hat bis zu 18 Ganztagesplätze und betreut Kinder von 2,5 Jahre bis zum Schuleintritt. Derzeit befindet sich der Kinderladen in der Austrasse 42 in Nürnberg.
Der Verein für Kinderpädagogik e.V. ist angegliedert an die Dachorganisation SOKE e.V.

Organe des Vereins

Organe des Vereins sind die monatliche Mitgliederversammlung und der Vorstand (siehe Satzung des Vereins für Kinderpädagogik e.V §7)

Allgemeine Ziele

Der Kinderladen Austrasse ist eine Elterninitiative, ein von Eltern selbst organisierter Verein.
Die Elternschaft hat das Ziel, ihre Angelegenheiten gemeinsam, gleichberechtigt, partnerschaftlich und solidarisch zu regeln. Bei allen Entscheidungen ist Konsens anzustreben.
Zweck des Vereins ist in erster Linie die Schaffung und Unterhaltung einer Betreuungseinrichtung für Kinder von 2 1⁄2 Jahren bis zum Schuleintritt.
Siehe dazu auch §2 Satzung des Vereins für Kinderpädagogik e.V.

Mitgliedschaft

Mitglied kann jede natürlich und juristische Person werden, die die Zwecke des Vereins unterstützt. Der Mitgliedsbeitrag beträgt derzeit mindestens 31€ jährlich, pro Person.

Elternmitarbeit / Elterndienste

Die rund um den Kinderladen anfallenden Aufgaben werden auf alle Eltern verteilt. Diese Aufgaben, die in einem jährlich aktualisierten Diensteplan festgehalten werden, sind zuverlässig und eigenverantwortlich zu erledigen. Der Diensteplan wird zu Beginn des Kinderladenjahres festgeschrieben und die Dienste in einer MV gerecht verteilt.

Elternabende (=Mitgliederversammlungen)

Elternabende finden monatlich statt und sind ein Forum für den Austausch untereinander, sowie zwischen Eltern und MitarbeiterInnen. Themen haben organisatorische Funktion (Aufgabenverteilung, Informationsaustausch, Beschlüsse, Informationen aus Team und Kindergruppe u.a.). Die Teilnahme an den EA ist für alle Eltern verpflichtend. Eine Entschuldigung bei Verhinderung ist vorher nötig.

Aufnahme von Eltern und Kindern

Die Aufnahme neuer Kinder orientiert sich an der Anzahl der Betreuungsplätze, sowie der Alters- und Geschlechtermischung. Zwischen Eltern und Verein wird ein Vertrag abgeschlossen. Bei freien Plätzen haben Geschwisterkinder Vorrang.

Rahmenbedingungen

Lage und Räumlichkeiten

Der Kinderladen belebt ein zweistöckiges Hinterhaus in der Aus- traße, mitten in Gostenhof.
Im Erdgeschoss ist unsere Garderobe, eine Kindertoilette, ein großer Raum, der als Bewegungs- und Spielzimmer genutzt wird, sowie ein kleiner Raum, der als Werkzimmer dient.
Im ersten Stock befindet sich die Küche der Einrichtung, sowie der Gruppenraum und ein Ruhezimmer.
Ausserdem verfügt der Kinderladen über einen sehr großen naturbelassenen Garten, der direkt an das Haus angrenzt. Hier bieten sich durch einen Sandkasten, ein Sandsteinrondell, ein Boot, ein paar Holzpferde, einen Wasserspielplatz, einen Bauwagen, vielen Bäumen und Büschen und vor allem sehr viel Platz, zahlreiche Spielmöglichkeiten.

Alters- und Gruppenstruktur

Die Gruppe setzt sich aus maximal 18 Kindern im Alter zwischen 2,5 und 6 Jahren zusammen. 1-2 Gruppenplätze sind Integrativplätze für Kinder mit besonderem Förderbedarf.
Bei der Neuaufnahme wird auf eine für die Gruppe sinnvolle Alters- und Geschlechtermischung geachtet.

Personalstruktur

Das pädagogische Personal der Einrichtung setzt sich aus drei Festangestellten in Teilzeit, (zwei Erzieherinnen und eine Sozialpäd- agogin) und einer Berufspraktikant/in in Vollzeit, zusammen. Des Weiteren wird das Team im Bedarfsfall von einer Aushilfskraft unterstützt.

Öffnungs- und Schließzeiten

Der Kinderladen hat von Montag – Donnerstag von 7.15 – 17.00 Uhr und Freitags von 7.15 – 16.00 Uhr geöffnet.
Jeweils eine Woche in den Oster- und Pfingstferien, sowie drei Wochen in den Sommerferien und zwei Wochen über Weihnachten hat die Einrichtung geschlossen.
Maximal sind es pro Kinderladenjahr 30 Schließtage.

Elternmitarbeit

Die Elternmitarbeit im Kinderladen ist mit Eintritt des Kindes verpflichtend. Es gibt verschiedene Dienste, die von den Eltern übernommen werden müssen. Ebenso ist eine Teilnahme an jedem Elternabend erforderlicher Bestandteil der Mitarbeit.

Leitbild

Grundgedanke unseres pädagogischen Konzeptes ist es, dass Erziehung ein gemeinsamer Prozess zwischen Kindern, Eltern, der Erziehungsinstitution und der Gesellschaft ist. Im Miteinander aus professionellem Handeln und dem freiwilligen Engagement der Eltern als Träger, begreifen wir Erziehung als gemeinsames Leben und Lernen im Rahmen von Chancen und Problemen der Kinder in unserer Gesellschaft.

Für uns steht das Kind im Mittelpunkt. Wir sehen es als vollständige Person mit der Einheit aus Körper, Geist und Seele (Emotionen) und als eigenständiges Individuum, welches eingebettet in sein soziales Umfeld und die gesellschaftlichen Bedingungen ist.

Wir nehmen jedes Kind mit seinen individuellen Stärken und Schwächen an und sehen die Unterschiedlichkeit der Kinder als Chance, gegenseitiges Lernen zu erfahren und sie in ihrer Gesamtpersönlichkeit zu bereichern. In diesem Sinne arbeiten wir auch inklusiv und öffnen uns für Kinder mit besonderem Förderbedarf.

Wir bieten dem Kind, mit vertrauensvollen Beziehungen als Fundament, einen Ort des gemeinsamen Wachsens und Lernens.

Hier soll es sich in Geborgenheit sicher und gut aufgehoben fühlen und Offenheit, Verständnis, Toleranz und Grenzen erfahren, um sich zu einer eigenständigen und gesellschaftsfähigen Persönlichkeit entwickeln zu können.

Ziele des Kinderladens

Ziele für Kinder

Sicherheit und Geborgenheit

Der Kinderladen bietet den Kindern einen überschaubaren Ort, an dem sie Orientierung, Respekt und Geborgenheit erfahren. Durch intensive und vertrauensvolle Beziehungen zu dem pädagogischen Personal und einer grundsätzlich wertschätzenden und warmen Atmosphäre im Kinderladen erfahren sie ebenso Sicherheit. Eine Sicherheit die den Raum für Entwicklung und Lernprozesse frei hält und die Kinder zur Exploration anregt.

Kind als Individuum

Die Kinder sollen die Freude am Leben und am eigenen Körper erleben und sich selbst als wertvoll und autonom wahrnehmen. Mit ihren ganz eigenen Stärken und Schwächen, als auch mit ihrem sozialen Hintergrund werden die Kinder von uns angenommen und dabei unterstützt, Orientierung und ihre soziale Rolle zu finden. Dabei steht die Individualität jedes einzelnen Kindes im Vordergrund. Besonders in der Kreativität bringen die Kinder ihre Persönlichkeit zum Ausdruck.

Ich und die Anderen (soziale Kompetenz)

Im sozialen Gefüge der Gruppe lernen die Kinder wichtige Kompetenzen im Umgang miteinander. Partizipation der Kinder und ein wertschätzender Umgang sind grundlegende Umgangsformen die wir in unserem täglichen Zusammensein leben und die unabdingbar sind.
Klare Grenzen und Regeln im Umgang miteinander sind uns im Kinderladen sehr wichtig.
Achtsamkeit, Toleranz, Verständnis, Empathiefähigkeit und Konfliktfähigkeit sind Kompetenzen die jeden Tag im sozialen Miteinander von den Kindern gefordert werden. Bei diesem sozialen Lernen begleiten wir die Kinder sehr intensiv und fördern so die einzelnen Fähigkeiten.

Resilienz

Im Kinderladen erleben sich die Kinder, durch unsere Haltung ihnen gegenüber und ihre Partizipation am Gruppenalltag, als selbstwirksam. Wir begleiten und unterstützen sie dabei, ihre Wünsche und Gefühle kennen zu lernen und zum Ausdruck zu bringen. Ebenso lernen die Kinder Entscheidungen zu treffen und daraus resultierende Konsequenzen zu tragen und sich im Gruppengeschehen zu behaupten. All dies macht die Kinder selbstbewusst, widerstandsfähig und stark.

Das heißt:

Kinder können ihre Gefühle äussern

Die Kinder können, durch die konstante und überschaubare Gruppe, stabile Beziehungen zu den anderen Kindern und dem Fachpersonal aufbauen. Sie lernen sich und die Anderen zunehmend besser ken- nen. Hierbei erleben sie ihre Emotionen und auch die ihrer Mitmenschen. Sie lernen diese zu erkennen, zu benennen und damit umzugehen.

Kinder können partizipieren

Die Kinder lernen ihre Entscheidungen bewusst zu treffen und auch aus den Konsequenzen ihres Handelns für sich selbst Schlüsse zu ziehen.
Bei dieser Entwicklung stehen wir den Kindern stets zur Seite und achten darauf, dass sie sich nicht überfordern.

Kinder erleben konstruktives Miteinander

Im täglichen Zusammensein sind Grenzen und Regeln eine wichtige Vorraussetzung, damit der Alltag gelingen kann. Dabei übernehmen die Kindern nicht nur Verantwortung für sich selbst, sondern auch für die Gruppe. Gemeinsam achten alle darauf, dass die geltenden Regeln eingehalten werden.

Kinder lernen mit Konflikten umzugehen

Anderen in emotionalen Situationen zuhören, den eigenen Standpunkt vertreten, sich einer Situation stellen, sind wichtige Fähigkeiten, die die Kinder erlernen um in Konflikten respektvoll und achtsam miteinander umzugehen.
Situationsabhängig zu reagieren ist dabei nicht nur die Aufgabe des Fachpersonals, sondern auch ein Lernfeld für die Kinder, auf dem sie immer wieder neu gefordert sind.
Kompromissbereitschaft, Lösungsorientierung und Formen der Kommunikation sind weitere Lernprozesse, die dabei durchlaufen werden.

Ziele für Eltern

Betreuungsmöglichkeit

Eltern wollen eine qualitativ hochwertige Betreuung ihrer Kinder und eine weitgehende sichere Abdeckung ihres Betreuungsbedarfes.

Selbstorganisation

Die Eltern tragen als Mitglieder des Vereins Verantwortung für die Rahmenbedingungen (Vorstand + Elterndienste) der Einrichtung. Sie sind mitverantwortlich für das Gelingen des alltäglichen Miteinanders und sie haben eine basisdemokratische Einrichtung gewählt, weil sie durch ihr persönliches Engagement mitbestimmen, mitgestalten und mittragen möchten.

Kompetenzerwerb

Der Kinderladen ist ein Ort des Lernens und der Weiterentwicklung für alle. Die Eltern können hier durch die Vereinsarbeit, inhaltliche Diskussionen, Konflikte, Herausforderungen und kreative und handwerkliche Aufgaben, Kompetenzen erwerben und weiterentwickeln.

Beziehungsaufbau und soziale Vernetzung:

Durch gemeinsames Handeln, offenen, sowie achtsamen und transparenten Umgang miteinander, soll ein gutes Ankommen gelingen und gegenseitiges Vertrauen und ein WIR-Gefühl entstehen.
Die Eltern knüpfen auch private Kontakte, welche gegenseitige Hilfestellungen und hilfreichen Austausch über alltägliche Dinge des Lebens ermöglichen.

Ziele für Fachkräfte

Gute Arbeitsbedingungen

Die Aufgabenbereiche und die Rollen der Fachkräfte sind klar definiert, um das Miteinander und die Verantwortlichkeiten zu regeln, um so Missverständnisse, die sowohl pädagogischer, zwischen- menschlicher als auch organisatorischer Art sein können, zu vermeiden.
Es gibt einen Rahmenarbeitsvertrag und der Verein bezahlt seine Mitarbeiter/innen nach Tarif.

Mitgestaltung des Arbeitsalltags

Das Personal entwickelt, gestaltet und bestimmt den pädagogischen Arbeitsalltag im Kinderladen und übernimmt hier große Verantwortung. Voraussetzung dafür ist eine hohe Belastbarkeit, hohe Selbstständigkeit und große Bereitschaft zur inhaltlichen Auseinandersetzung.
Die Fachkräfte haben Mitspracherecht auf den Elternabenden bzw. Mitgliederversammlungen, der Jahreshauptversammlung, sowie den Team-Vorstands-Sitzungen und dadurch großen Freiraum in der Mitgestaltung des Kinderladens.
Dadurch wird eine hohe Identifikation der Fachkräfte mit der Einrichtung erreicht.

Team- und Verfügungszeit

Die Verfügungszeit teilt sich auf in: Teamzeit, Vorbereitungszeit und Zeiten für Elterngespräche und Elternabende.
Die wöchentliche Teamsitzung bietet dem Personal Zeit um Organisatorisches und Pädagogisches aus dem Alltag zu besprechen. Ebenso ist hier Zeit für den Austausch der Kolleginnen untereinander und gegenseitige Reflexion.
Die Vorbereitungszeit ermöglicht den Fachkräften, sich auf den pädagogischen Alltag vorzubereiten, Erlebtes nachzubereiten und sich selbst zu reflektieren.
Ebenso sind Zeiten für Elterngespräche und Mitgliederversammlungen in die Verfügungszeit mit eingerechnet

Vertrauensvolles Miteinander

Tragfähige Arbeitsbeziehungen bilden die Grundlage der guten Teamarbeit in unserem Kinderladen. Jede Mitarbeiterin respektiert die Unterschiedlichkeit der Anderen. So kann jede Fachkraft eigene Kompetenzen entdecken, entwickeln und entfalten. Jede arbeitet mit ihren Stärken und kennt ihre Schwächen.
Die Arbeit der Fachkräfte erfährt im Kinderladen Austraße eine ganz besondere Wertschätzung. Den Fachkräften wird im Umgang mit den Kindern großes Vertrauen entgegen gebracht. Wir sehen dies als Grundlage für unsere pädagogische Arbeit.

Weiterentwicklung

Das Personal hat die Möglichkeit zur regelmäßigen Supervision und Fortbildung um Fachkompetenzen zu sichern, weiter zu entwickeln und den Alltag mit den Kindern professionell gestalten zu können. Der Kinderladen übernimmt auch Verantwortung für die Ausbildung von Erziehern/innen, indem der Vorstand einen Praktikumsplatz für jeweils ein Jahr anbietet. Hierbei ist es uns auch wichtig den Auszubildenden die Geschichte und die Bedeutung der Elterninitiative, in Bezug auf die Kinder, die Eltern und das Fachpersonal, zu vermitteln

Zusammenarbeit mit den Eltern

Die Arbeit in unserer Elterninitiative bedeutet grundsätzlich ein hohes Maß an Zusammenarbeit, Gemeinsamkeit und Auseinandersetzung mit Eltern. Dadurch können wir das Kind als Individuum besser verstehen, fördern und in seiner Entwicklung unterstützen, weil wir seine Lebenssituation und die seiner Eltern kennen.

Prozessqualitäten für Kinder, Eltern und Fachkräfte

Der Alltag der Kinder

Eingewöhnung und Empfang der Kinder

Grundlage der Arbeit mit den Kindern ist eine vertrauensvolle Beziehung. Der Aufbau dieser Beziehung beginnt mit der Eingewöhnung des Kindes in den Kinderladen.
Der Beginn der Kinderladenzeit ist ein bedeutender Entwicklungsschritt für die Kinder. Sie müssen sich in einer neuen Umgebung mit fremden Mitmenschen zurecht finden und oft erleben sie hier die erste längere Trennungserfahrung.

Aus diesem Grund kann man keine genaue Zeit für die Dauer der Eingewöhnung festlegen, denn diese ist von Alter, Bedürfnissen und Entwicklungsstand des Kindes abhängig.
Bei der Verabschiedung von den Eltern entwickelt jede Familie ein persönliches Ritual, welches dem Kind den Ablöseprozess erleichtert.

Auch in der täglichen “Bringsituation” wird jedes Kind vom pädagogischen Personal individuell wahrgenommen und begrüßt um ihm damit Sicherheit und Nähe zu vermitteln. Durch einen kurzen Informationsaustausch mit den Eltern, erfahren die Fachkräfte mehr über die Befindlichkeit des Kindes und können dadurch besser auf die persönliche Situation jedes Kindes im Tagesablauf eingehen.

Gezielte Gruppenaktionen

Jeden Morgen findet, nach Ende der “Bringzeit”, ein gemeinsamer Morgenkreis statt.
Hier haben die Kinder die Möglichkeit, sich als Gruppe wahrzunehmen. Um die Kinder dabei zu unterstützen, das Gruppengefüge zu überblicken, überlegen wir gemeinsam wer fehlt und warum dieses Kind fehlt.
Ebenso haben die Kinder im Morgenkreis die Möglichkeit ihre Anliegen, Meinungen und Änderungsvorschläge einzubringen.
Durch gemeinsame Spiele, Lieder und Gespräche wird das Wir-Gefühl gestärkt, und die Kinder erleben neue Formen der Begegnung.

Ebenso findet einmal die Woche ein Singkreis statt, bei dem wir gemeinsam mit Instrumenten musizieren und Singspiele spielen. Hier wird auf die aktuellen Themen und Projekte der Kindergruppe, sowie die speziellen Wünsche der Kinder eingegangen.

Als weitere Form der gezielten Gruppenaktion werden Projekte angeboten, die sich unter anderem, aus dem Jahresverlauf ergeben. Diese Projekte werden gemeinsam mit den Kindern inhaltlich gestaltet und durchgeführt.

Gezielte Beschäftigungen

Die Beschäftigungen ergeben sich aus den Bedürfnissen und Ideen der Kinder, sowie den individuellen Beobachtungen der Fachkräfte. Die Kinder werden je nach Altern, Entwicklungsstand und Neigung eingeteilt.
Die Fachkräfte haben bei diesen Beschäftigungen die Möglichkeit, den Entwicklungsstand des einzelnen Kindes zu beobachten und sie bei Lernprozessen intensiv zu begleiten.

Bei Beschäftigungen ist die Entstehung und die individuelle Gestaltung genauso wichtig, wie das Ergebnis. Um die Kinder in ihrer Kreativität nicht einzuschränken, wird ihnen wenig vorgefertigtes Material zur Verfügung gestellt und es wird sehr wenig mit Schablonen gearbeitet.

Freispiel

Das Freispiel hat im Kinderladen Austraße einen sehr hohen Stellenwert. Die Kinder haben hier viel Raum, für den sie selbst Verantwortung übernehmen. Sie können ihr eigenes Können erfahren und erproben. Des Weiteren bietet das Freispiel ein umfangreiches Lernfeld, um soziales Verhalten im Spiel mit anderen zu erlernen. Zum Beispiel treten während des Freispiels viele Konflikte auf. Die Kinder werden dazu angehalten, ihre Konflikte selbst zu lösen und die Betreuer geben hierbei Hilfestellung.
Im Freispiel können die Kinder eigenständig entscheiden, wo, mit wem und was sie spielen möchten.
Die Fachkräfte übernehmen beim Freispiel hauptsächlich die Rolle der Beobachter, bei Bedarf greifen sie aktiv ein oder leisten Hilfestellung.

Bei der Beobachtung der Spielsituationen erfahren die ErzieherInnen viel über die Konstellation der Gruppe, die Stellung jedes einzelnen Kindes in der Gesamt- und Untergruppe, die Interessen und den Entwicklungsstand der Kinder.
Ebenso ergeben sich aus dem Freispiel Themen für gezielte Angebote, die von dem Fachpersonal erkannt und aufgegriffen werden.

Somit bietet das Freispiel viel Raum für die Selbstständigkeit der Kinder, die Förderung von Individualität und Kreativität, dem erlernen von Sozialverhalten und der Entwicklung von Konfliktfähigkeit.

Essenssituation

Im Kinderladen wird bewusst auf vollwertige Ernährung geachtet. Das Mittagessen wird von einem Koch für den Kinderladen jeden Tag kurz vor der Mittagszeit frisch zubereitet. Die verwendeten Lebensmittel sind bevorzugt aus regionalem und biologischem Anbau.
Für das Frühstück kauft ein Elterndienst jede Woche ein, hierbei werden ebenfalls regionale und biologische Produkte bevorzugt. Das Frühstück wird vom Frühdienst vorbereitet. Die Kinder die schon früh in der Einrichtung sind haben hier die Möglichkeit beim vorbereiten mitzuwirken.
Ebenso helfen alle Kinder jeden Tag beim Decken und Abräumen der Tische.

Die Essenssituationen sind feste Rituale im Tagesablauf, bei denen bestimmte Bräuche und Regeln bestehen.
Es wird darauf geachtet, dass die Kinder das angebotene Essen probieren, lernen bewusst zu essen und zu spüren wie viel sie brauchen.

Mittagsruhe

Die Mittagsruhe ist eine feste Zeit nach dem Mittagessen.
Die Kinder, die noch einen Mittagsschlaf benötigen gehen dazu in den Ruheraum. Hier wird für jedes Kind ein Bett hergerichtet, mit privaten Schlafsachen von Zuhause. Die Berufspraktikantin ließt den Kindern eine kurze Geschichte vor. Durch die gemütliche und geborgene Atmosphäre können sich die Kinder schnell entspannen und einschlafen.

Die restliche Gruppe befindet sich während der Mittagsruhe im großen Raum. Hier wird eine längere Mittagsgeschichte erzählt. Mit Kissen und Decken können es sich die Kinder gemütlich machen und entspannen. Die Geschichten sind meist frei erzählt und werden mit Hilfe von Klängen und kleinen Figuren gestaltet.

Aussenaktivitäten

Naturerfahrungen sind in den Alltag der Kinder eingebaut, da wir täglich auch bei Regen, Schnee und Kälte ins Freie gehen. Die Kin- dern können hier die Natur erleben und erforschen, ihr Umwelt- bewusstsein wird gefördert und sie haben viel Bewegung und frische Luft.
Die Kinder können draußen (unter anderem durch Barfußlaufen, Planschen, Matschen, dem Spüren von Kälte und Regen) Körpererfahrungen machen und sich und ihren Körper dadurch bewusst wahrnehmen.

Ebenso macht die Kindergruppe während dem Jahr gemeinsam verschiedene Ausflüge wie zum Beispiel zum Kastaniensammeln, Besuch der Kinderweihnacht, Museumsbesuche, Spielplatzbesuche etc.

Die umfangreichste Außenaktivität ist die dreitägige Kinderfreizeit, bei der alle Kinder ab vier Jahren ohne ihre Eltern mitfahren. Für diese Freizeit wird eine komplette Herberge auf dem Land für den Kinderladen gemietet. Die Erfahrung des gemeinsamen Wegfahrens ist eine große Bereicherung für die Kindergruppe.

Portfolioarbeit

Jedes Kind im Kinderladen besitzt einen Portfolioordner. Hier werden Erlebnisse und Entwicklungen der Kinder mit Hilfe von Bilder, Fotos und Notizen der Kinder dokumentiert. Jedes Kind entscheidet eigenständig, was in seinen Ordner hinein kommt und wer diesen ansehen darf. Vor allem durch die Bilddokumentation, welche bei den Kindern auch sehr beliebt ist, wird den Kindern ihre eigene Entwicklung deutlich sichtbar.

Der Alltag der Eltern

Betreuungsmöglichkeit

Die Kinder werden in einer Gruppe mit maximal 18 Kindern von sehr gut qualifiziertem Personal betreut. In der Kernzeit sind zwei Fachkräfte und der/die Berufspraktikant/in anwesend.
Die Öffnungszeiten und Schließtage sind so weit wie möglich an die Bedürfnisse der Eltern angepasst.

Elternabend

Jeden ersten Dienstag im Monat findet, verpflichtend für alle Familien, ab 19.00 Uhr ein Elternabend statt, bei dem sowohl organisatorische, als auch pädagogische Themen besprochen werden. Die Elternabende sind zugleich beschlussfähige Mitgliederversammlungen.
Jeder Elternabend wird protokolliert, dies dient der Kontrolle und Transparenz.
Die Elternabende können auch genutzt werden, um Referenten von außen zu bestimmten Themen referieren zu lassen.

Organisatorischer Teil:

Die Inhalte werden von den Fachkräften, dem Vorstand und den Eltern eingebracht.
Jeweils eine Woche vor dem Elternabend hängt eine Liste aus, in die sich jeder mit seinem Anliegen eintragen kann. Diese Liste wird auf dem Elternabend dann behandelt.
Im organisatorischen Teil der Elternabende wird alles, was den Alltag des Kinderladens betrifft besprochen, diskutiert und organ- isiert. Die Vorstandsarbeit wird transparent gemacht und es werden Elterndienste verteilt und besprochen.

Pädagogischer Teil:

Der pädagogische Teil des Elternabends dient dazu, die Arbeit der Fachkräfte und das Gruppengeschehen transparent zu machen. Hi- erzu berichten die Fachkräfte aus dem Alltag.
Ebenso können hier pädagogische Themen besprochen und diskutiert werden, es ist Raum für Erfahrungsaustausch und eine konstruktive Auseinandersetzung mit diesen Themen.

Vorstand

Einmal im Jahr wird bei einer Mitgliederversammlung der Vereinsvortand gewählt. Der gewählte Vorstand übernimmt in seiner Funktion die Verantwortung und gesetzliche Vertretung des Vereins. Es finden regelmäßige Vorstandstreffen, sowie Team-Vorstands-Sitzungen statt. Ebenso gibt es mindestens einmal jährlich eine Team-Vorstands-Supervision.

Elternmitarbeit / Elterndienste

Die Mitarbeit der Eltern im Kinderladen ist verpflichtend. In der Einrichtung gibt es verschiedene Dienste, die von den Eltern übernommen werden müssen, vor allem Vorstandsämter, aber auch Wasch-, Einkaufs- und Hausmeisterdienst und vieles mehr. Ebenso findet zweimal im Jahr ein Renovierungs- und Putzwochenende statt, welches von den Eltern organisiert und durchgeführt wird.
Des Weiteren ist die Gestaltung und Instandhaltung von Haus und Garten Aufgabe der Elternschaft.

Soziale Vernetzung

Durch die regelmäßige und intensive Mitarbeit der Eltern, entstehen nicht nur enge Kontakte zum pädagogischen Personal, sondern auch zwischen den Eltern, welche sich positiv auf ein gemeinsames Miteinander auswirken und eine enge Verbundenheit schaffen, welche häufig auch weit über die „Kinderladenzeit“ hinaus besteht.

Elterngespräche

Einmal im Jahr findet für jedes Kind ein ausführliches und intensives Elterngespräch über die Entwicklung des Kindes statt. Diese Gespräche werden vom gesamten pädagogischen Team vorbereitet und von zwei Teammitgliedern durchgeführt. Dieser Austausch zwischen Eltern und Fachkräften über die Entwicklung des Kindes soll durch gegenseitige Transparenz, der Lebenswirklichkeiten Kinderladen und Zuhause, ein ganzheitliches Bild des Kindes schaffen.
Ebenso bietet dieses Gespräch den Raum um Sorgen, Ängste und Nöte der Eltern besprechen zu können. Gemeinsam entwickelte Strategien bei Problemen, Konkrete Anregungen der Fachkräfte aber auch die einfache Erweiterung der Wahrnehmungen, geben den Eltern das Gefühl verstanden zu werden und sind hilfreich für alle.

Neben diesem großen Entwicklungsgespräch besteht die Möglich- keit der kurzen Tür- und Angelgespräche während der Bring- und Abholsituation, sowie kurze Einzelgespräche bei Bedarf.
Ausserdem finden während der Eingewöhnungszeit Gesprächsnachmittage für die Eltern der neuen Kinder statt, bei denen anfallende Fragen geklärt werden können, der Eingewöh- nungsstand besprochen wird und die Eltern sich untereinander austauschen können.

Der Alltag der Fachkräfte

Mitgestaltung der Arbeitsalltags

In der Freispielzeit, am Vor- und Nachmittag haben alle Mitarbeiterinnen die Möglichkeit die einzelnen Kinder zu beobachten und intensiv zu begleiten. Jede Erzieherin gestaltet 1-2 Mal in der Woche den Morgenkreis und jede Mitarbeiterin kann nach ihren Ideen und Vorstellungen diesen gestalten.
Ebenso werden die pädagogischen Angebote, welche eingebettet sind in Themen und Projekten, zwischen den Mitarbeiterinnen aufgeteilt und jede kann sich ihrer Neigung und Begabung entsprechend einbringen, um so den pädagogischen Alltag abwechslungsreich und lebendig zu gestalten.
Das gemeinsame Frühstück und Mittagessen wird von zwei Erzieherinnen betreut. Hier hat jede Betreuerin mindestens zwei Mal die Woche die Kinder, um sie in dieser Situation zu erleben und zu begleiten.
Den Mittagsschlaf der kleineren Kinder gestaltet das ganze Jahr über die Praktikantin.

Team- und Verfügungszeit

Jede Woche findet die dreistündige Teamsitzung statt. In dieser Zeit werden einzelne Kinder und die Gruppensituation besprochen, Elternabende und Elterngespräche vorbereitet und der Gruppenalltag erarbeitet.
Zusätzlich zu der wöchentlichen Teamsitzung gibt es zwei Mal im Jahr Teamtage, jeweils einen zum Beginn und einen nach der Hälfte des Kinderladenjahres. Diese dienen dazu, neue Mitarbeiter kennen zu lernen, die Arbeitsstrukturen zu klären, pädagogische Inspirationen zu sammeln, Nah- und Fernziele für die Gruppe zu entwickeln und diese zu überprüfen und die organisatorische Jahresplanung zu erarbeiten.
Die Bereitstellung dieser Zeiten gewährleistet ein hohes Maß an Qualitätssicherung der Arbeit in der Einrichtung.

Vertrauensvolles Miteinander

Tragfähige und vertrauensvolle Arbeitsbeziehungen zwischen den Fachkräften sind die Grundlage unseres pädagogischen Teams. Durch den offenen, konstruktiven und achtsamen Umgang miteinander, sowie die Auseinandersetzung mit Problemen und Konflikten wird eine Festigung der Arbeitsbeziehungen erreicht und großes gegenseitiges Vertrauen geschaffen.
Um die Arbeitsbeziehungen zu festigen, gibt es gemeinsame Essen vor dem Elternabend, das Weihnachts- sowie das Sommeressen. Die jährliche Kinderfreizeit bietet auch Raum für intensive Beziehungsarbeit zwischen den Mitarbeiterinnen.

Durch den ständigen Dialog mit der Elternschaft werden die Beziehungen zwischen dem Fachpersonal und den einzelnen Eltern of- fen und vertrauensvoll.

Weiterentwicklung

Die regelmäßige Reflexion und der Austausch über unser pädagog- isches Handeln trägt stark zur persönlichen und professionellen Weiterentwicklung jedes Einzelnen im Team bei.
Supervision ist ein wichtiger Teil für diese Entwicklung. Diese findet regelmäßig alle 6-8 Wochen statt. Es nehmen alle Fachkräfte und Praktikanten daran teil. Geleitet wird die Supervision von einer neutralen Fachkraft (mit spezieller Ausbildung) von ausserhalb.
Durch die Supervision wird die Kommunikation im Team weiterentwickelt, Kompetenz gefordert und gefördert und es werden Konflikte innerhalb des Teams geklärt. Ebenso hilft sie bei Entscheidungs- und Veränderungsprozessen.

Um die Weiterentwicklung zu gewährleisten wird das Personal angehalten und unterstützt, sich fortzubilden. Jeder Fachkraft stehen im Jahr fünf Tage zur Fort- und Weiterbildung und ein festgelegter Etat zur Verfügung.

Der Kinderladen versteht sich als Ausbildungsort und der Praktikumsplatz wird bevorzugt mit Auszubildenden im Anerkennungsjahr besetzt. Der/ die Praktikant/in bekommt einmal in der Woche eine Stunde professionelle Anleitung von der Einrichtungsleitung, in der unter anderem die Auseinandersetzung mit den Eltern erlernt und die Gruppenidentifikation in allen Phasen analysiert wird. Während des Praktikums legen die Praktikanten/innen in unserer Einrichtung ihre praktische Prüfung zum/zur Erzieher/in ab.

Schutzauftrag

Als Kindertagesstätte kommt uns eine besondere Verantwortung bei der Wahrnehmung des gesetzlichen Schutzauftrages bei Kindes- wohlgefährdung zu. Unser Auftrag bezieht sich dabei auf unterschiedliche Gefährdungsformen, die im familiären/ außerfamiliären Umfeld, wie innerhalb unserer Einrichtung, geschehen können. Unser Ziel ist es, überlegt und strukturiert zu handeln, um professionell Hilfe anbieten zu können.

Wenn wir gewichtige Anhaltspunkte auf Vernachlässigung bzw. Misshandlung eines Kindes wahrnehmen, reflektieren wir im Team und holen uns gegebenenfalls Unterstützung durch die Supervision.

Die Erziehungsberechtigten des Kindes werden über die Beobachtungen der Fachkräfte der Kindertagesstätte informiert. Gemeinsam wird nach Lösungen gesucht. Die Eltern erhalten Angebote und Unterstützung zur Inanspruchnahme von Hilfen.
Der Abschluss von Vereinbarungen zwischen den Erziehungsberechtigten und der Kindertagesstätte wird dokumentiert. Ein Termin zur Rückmeldung wird vereinbart. Bei diesem wird geklärt ob und in welcher Form Hilfen angenommen wurden.

Wenn Vereinbarungen nicht eingehalten werden und über die Kindertagesstätte oder externe Kräfte die Kindeswohlgefährdung nicht abgewendet werden kann, erfolgt die Einbeziehung des Jugendamtes. Mit der Meldung geht die rechtliche Verantwortung auf das Jugendamt über. Bei akuter Gefährdung erfolgt die sofortige Meldung an das Jugendamt.